Klimamanagement 2026 – Die Updates, die jetzt zählen · Teil 3 von 4
Vertrauen als neue Währung: EcoVadis und die neue Rolle der Carbon Credits

Scope-3-Daten sind für die meisten Unternehmen der größte blinde Fleck der eigenen Klimabilanz – nicht, weil sie fehlen, sondern weil ihre Qualität selten eingeordnet werden kann. Genau hier setzen zwei Entwicklungen an, die 2026 an Fahrt gewinnen.
Nach den methodischen Grundlagen in Teil 1 (GHG Protocol & SBTi 2.0) und der regulatorischen Seite in Teil 2 (CBAM & ISSB) geht es heute um zwei Themen, die oft unterschätzt werden: die Verlässlichkeit von Lieferantendaten – und die neue, strukturierte Rolle von CO2-Zertifikaten.
EcoVadis: Vertrauen als neue Währung bei Lieferantendaten
Auch bei EcoVadis rückt die Frage der Datenqualität ins Zentrum. Im aktuellen Whitepaper „Beyond Disclosure: Building Trust in Supplier GHG Data“ stellt EcoVadis das neue Carbon Data Reliability Level (DRL)-Framework vor – ein dreistufiges Prüfverfahren, das Einkaufsorganisationen zeigen soll, wie verlässlich die Emissionsdaten ihrer Lieferanten tatsächlich sind.
Der Grundgedanke
Scope-3-Daten sind für die meisten Unternehmen der größte blinde Fleck der eigenen Klimabilanz – nicht, weil sie fehlen, sondern weil ihre Qualität selten eingeordnet werden kann. Das DRL-Framework verknüpft die gelieferten Lieferantendaten mit den jeweiligen Assurance-Anforderungen und macht so sichtbar, worauf eine Klimastrategie tatsächlich aufbaut.
Warum das jetzt wichtig ist
Das Whitepaper trifft einen Nerv, der sich auch im GHG-Protocol-Update zeigt – die Zeit reiner Selbstauskünfte und Spend-based-Schätzungen läuft ab. Unternehmen, die frühzeitig in belastbare, geprüfte Lieferantendaten investieren, verschaffen sich einen Vorsprung, sobald Primärdaten zum Standard werden.
Carbon Credits: Von der Kür zur strukturierten Pflichtübung
Ein Thema, das durch die neue SBTi-Standardversion neue Brisanz bekommt: der Umgang mit CO2-Zertifikaten und Kompensation. Wo Unternehmen bislang oft zwischen „gar nicht“ und „unkontrolliert viel“ schwankten, schafft SBTi V2.0 mit seinem gestuften Anerkennungssystem erstmals einen strukturierten Rahmen – inklusive der Pflicht für große Unternehmen, ab 2035 einen wachsenden Anteil ihrer Restemissionen zu neutralisieren.
Die Integritätsinitiativen im freiwilligen CO2-Markt
Damit rücken auch die Integritätsinitiativen rund um den freiwilligen CO2-Markt stärker in den Fokus:
- Die Core Carbon Principles des Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) definieren, welche Zertifikate überhaupt als hochwertig gelten.
- Die Voluntary Carbon Markets Integrity Initiative (VCMI) setzt Leitplanken dafür, wie Unternehmen glaubwürdig über den Einsatz solcher Zertifikate kommunizieren dürfen.
Zur Einordnung
Wie das gestufte Anerkennungssystem der SBTi V2.0 im Detail funktioniert und ab wann es verpflichtend wird, lesen Sie in Teil 1 dieser Serie.
Warum das jetzt wichtig ist
Kompensation ist kein Nebenschauplatz mehr, sondern wird über SBTi V2.0 in die reguläre Zielarchitektur integriert. Wer jetzt schon auf Zertifikate setzt, die den ICVCM-Kriterien entsprechen, und die eigene Kommunikation an VCMI-Leitplanken ausrichtet, vermeidet spätere Greenwashing-Vorwürfe – und ist startklar, sobald die neuen SBTi-Anforderungen greifen.
Die Serie im Überblick
- Teil – GHG Protocol & SBTi 2.0 – Die Regeln werden neu geschrieben
- Teil – CBAM & ISSB – Wenn Klimadaten Geld kosten und global Standard werden
- Teil – EcoVadis & Carbon Credits – Vertrauen in Daten, Struktur in der Kompensation
- Teil – Fazit – Datenqualität wird zur eigentlichen Währung
Dienstag zum Abschluss in Teil 4: Der rote Faden hinter allen Updates – und vier konkrete Prioritäten für die nächsten Monate.


