Klimamanagement 2026 – Die Updates, die jetzt zählen · Teil 2 von 4
Wenn Klimadaten Geld kosten: CBAM und der Aufstieg des ISSB

Freiwillige Standards sind nur die halbe Geschichte. Mit CBAM hat die EU eine regulatorische Verschärfung geschaffen, die inzwischen echtes Geld kostet – und mit dem ISSB wächst zugleich ein globales Berichtsregime, das oft unter dem Radar läuft.
In Teil 1 dieser Serie ging es um die methodischen Grundlagen: die Revision des GHG Protocol und den neuen SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0. Heute wechseln wir die Perspektive – von der freiwilligen Zielsetzung zur verbindlichen Regulierung und zur internationalen Berichtslandschaft.
CBAM: Von der Meldepflicht zur echten Kostenstelle
Wer beim Klimamanagement nur auf freiwillige Standards schaut, übersieht leicht, dass die EU längst finanziellen Ernst gemacht hat. Seit dem 1. Januar 2026 befindet sich der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) in seiner definitiven Phase.
Die wichtigsten Änderungen
- Verbindliche Bagatellgrenze: Importeure mit weniger als 50 Tonnen CBAM-relevanter Güter pro Jahr sind vollständig von den Pflichten befreit – das ersetzt die frühere Wertgrenze von 150 Euro pro Sendung.
- Neue, länder- und produktspezifische Standardwerte ersetzen die bisherigen globalen Durchschnittswerte – und steigen schrittweise an: zehn Prozent Aufschlag 2026, zwanzig Prozent 2027, dreißig Prozent ab 2028.
- Verpflichtende Drittverifizierung der gemeldeten Emissionsdaten statt Selbstauskunft.
- Jährliche statt quartalsweise Deklaration, mit erster Meldefrist zum 30. September 2027 für Importe aus 2026.
- Ausweitung in Sicht: Ein Vorschlag der Kommission sieht vor, den Anwendungsbereich ab 2028 auf nachgelagerte Stahl- und Aluminiumprodukte auszuweiten; auch Chemikalien und Polymere werden diskutiert.
Warum das jetzt wichtig ist
Auch wenn die ersten Zertifikatskäufe erst 2027 fällig werden – die Emissionen aus 2026 zählen bereits. Wer jetzt keine verifizierten Lieferantendaten hat, muss auf die deutlich teureren Standardwerte zurückgreifen. Für nicht-europäische Zulieferer wird CBAM damit oft zur ersten verbindlichen Klimaoffenlegung überhaupt – mit Ausstrahlung auf die gesamte Scope-3-Berichterstattung ihrer europäischen Kunden.
ISSB: Der globale Standard wächst weiter – und wird zugleich entschärft
Während in Europa über die ESRS-Vereinfachung diskutiert wird, nimmt der internationale Standard IFRS S2 des ISSB (International Sustainability Standards Board) weiter Fahrt auf.
Die weltweite Verbreitung
Stand April 2026
28 Jurisdiktionen haben die ISSB-Standards verbindlich oder freiwillig übernommen – zwölf weitere planen die Einführung. Zuletzt kamen Chile, Katar und Mexiko mit verpflichtenden Regelungen dazu; auch Südkorea und Japan haben 2026 eigene, ISSB-basierte Standards veröffentlicht.
Gezielte Erleichterungen bei IFRS S2
Gleichzeitig hat der ISSB im Dezember 2025 gezielte Erleichterungen bei den Treibhausgas-Offenlegungspflichten in IFRS S2 beschlossen – als direkte Reaktion auf praktische Umsetzungsprobleme, die Unternehmen bei der Anwendung des Standards gemeldet hatten. Die Änderungen gelten ab Berichtsjahren, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen.
Warum das jetzt wichtig ist
ISSB wird zum globalen Bezugspunkt, an dem sich immer mehr nationale Regelwerke orientieren – von China über Großbritannien bis Brasilien. Für Unternehmen mit internationalem Fußabdruck ist das oft relevanter als jede einzelne EU-Regulierung: Wer heute nach IFRS S2 berichtet, ist in den meisten Zielmärkten automatisch auf der sicheren Seite. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung in den USA – dort steht die Aufhebung der SEC-Klimaregel kurz bevor – wie fragmentiert die globale Regulierungslandschaft trotz aller Konvergenz bleibt.
Die Serie im Überblick
- Teil – GHG Protocol & SBTi 2.0 – Die Regeln werden neu geschrieben
- Teil – CBAM & ISSB – Wenn Klimadaten Geld kosten und global Standard werden
- Teil – EcoVadis & Carbon Credits – Vertrauen in Daten, Struktur in der Kompensation
- Teil – Fazit – Datenqualität wird zur eigentlichen Währung
Donnerstag in Teil 3: Wie EcoVadis Vertrauen in Lieferantendaten zur neuen Währung macht – und warum CO2-Zertifikate von der Kür zur strukturierten Pflichtübung werden.


